Gestatten: die neuen Hightech-Institute an der BTU

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle zu Besuch am DLR-Standort in Cottbus.

Außeruniversitäre Ansiedlungen: Die BTU wird zum Hotspot!

Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt kündigten in der Vergangenheit mehrere Ansiedlungen an BTU-Standorten an. Die BTU entwickelt sich dadurch zunehmend zu einem Zentrum innovativer Forschung zwischen Berlin und Dresden. Für Studierende bedeutet das, dass sie zum einen durch Abschlussarbeiten schon während des Studiums an hochkarätigen Projekten mitwirken können. Zum anderen eröffnen sich spannende Perspektiven für Absolventen, die die Zukunft mitgestalten wollen. Wir stellen die aktuellen Ansiedlungen vor.

Fraunhofer-Institutsteil „Integrated Silicon Systems“, gestartet: 2018. Foto: Fraunhofer-ISS

Fraunhofer ISS: die Kopfhörer der Zukunft
Schon 2018 erhielt die Cottbuser Forschungslandschaft Nachwuchs in Form des Fraunhofer-Institutsteils „Integrated Silicon Systems“ des Instituts für Photonische Mikrosysteme. Hier entwickeln die WissenschaftlerInnen zum Beispiel Mikrolautsprecher, die nur wenige Millimeter groß sind, aber dennoch mit perfektem Klang bei gleichzeitig geringem Energieverbrauch aufwarten können. Ebenso Gegenstand der dortigen Forschung sind Mikrodosiereinheiten, die beispielsweise in Insulinpumpen eingesetzt werden können. Zu finden ist der Fraunhofer-Institutsteil IPMS-ISS im Baustofflabor auf dem Zentralcampus.

Fraunhofer BioPol: Kunststoffen Leben einhauchen
Von der Natur kann man einiges lernen – so lieferten Fledermaus-Klicklaute Inspiration für Ultraschall-Entfernungsmessung und eine Lotus-Beschichtung hält so manche Kleidung trocken. Die Fraunhofer-Projektgruppe „Biofunktionalisierung/Biologisierung von Polymermaterialien BioPol“ in Senftenberg geht über diese Beispiele aus der Bionik hinaus. Sie kombiniert biologisch aktive Moleküle mit Kunststoffen, u. a. antimikrobielle Peptide, die in unserer Tränenflüssigkeit vorkommen und dort Bakterien oder Viren bekämpfen. Ergebnisse sollen z. B. selbstreinigende Oberflächen, neue Sensoren oder innovative Ansätze zur Bekämpfung von Infektionen sein.

Fraunhofer PZ-Syn: Enzyme für die Pharmaforschung
Der Pharma-Markt erreicht jährlich neue Umsatzrekorde. Beim Abbau von Medikamenten in der Leber entstehen jedoch oft toxische Nebenprodukte, die unerwünschte Wirkungen verursachen. Diese hochkomplexen Abbauprozesse zu simulieren und zu vereinfachen, ist die Aufgabe der Fraunhofer-Projektgruppe „Pilzbasierte zellfreie Synthese-Plattformen“ (PZ-Syn) am BTU-Standort Senftenberg. Dafür werden Pilzenzyme genutzt, die von Wissenschaftlern der BTU und der TU Dresden entdeckt wurden und deren Funktionsweise jener von Leberenzymen ähnelt. Mit ihnen sollen gezielt Medikamenten-Abbauprodukte für die weitere Erforschung synthetisiert werden.

Fraunhofer-Projektgruppe „Kognitive Materialdiagnostik“, gestartet: 2019. Foto: Sebastian Rau | Fraunhofer IKTS

Fraunhofer KogMatD: Für Maschinen, die sich selbst wahrnehmen
Big Data, Condition Monitoring, Gedächtnisdatenbanken – mit diesen Hightech-Themen beschäftigt sich die Fraunhofer-Projektgruppe „Kognitive Materialdiagnostik“ am Zentralcampus. Für die Wissenschaftler gilt es, bereits erlangtes Wissen mit den Kompetenzen der Uni in Sachen künstlicher Intelligenz zu bündeln. Auf dieser Basis sollen selbstlernende Systeme entwickelt werden, die den Zustand von Maschinen z.B. in Fabriken analysieren und erkennen, wann eine Wartung oder Reparatur notwendig sein wird. Von großer Bedeutung ist das u.a. im Schienenverkehr, der Windkraft oder der Luftfahrt.

DLR-Institut für CO2-arme Prozesse, gestartet: 2019. Foto: DLR (CC-BY 3.0)

DLR-Institut #1 – der Weg zu „grüner“ Industrie und Kraftwerken
Den Emissionsausstoß allgemein und vor allem in der Industrie zu reduzieren, damit beschäftigt sich das Institut für CO2-arme Prozesse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Konkret gehen die Forscher die Fragestellung an, wie der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid in Kraftwerken, bei der Stahlerzeugung, der Aluminiumproduktion, in der Zementindustrie sowie in der chemischen und petrochemischen Industrie verringert werden kann. Darüber hinaus erforscht das Institut, das ebenfalls an der Hochschule Zittau-Görlitz einen Standort unterhält, die Umrüstung von Kohle- zu Speicherkraftwerken.

Im Aufbau: DLR-Institut für emissionsarme Luftfahrtantriebe. Foto: DLR (CC-BY 3.0)

DLR-Institut #2: Fliegen mit sparsamem Lausitzer Triebwerk
Durch die Lüfte fliegen mit einem Lausitzer E-Triebwerk – ginge es nach den WissenschaftlerInnen des DLR-Instituts für emissionsarme Luftfahrtantriebe, könnte dieser Gedanke bald Realität sein. Die Einrichtung erforscht, wie Luftfahrtantriebe von Zivilflugzeugen in Zukunft schadstoffärmer und leiser konzipiert werden können. Das geht damit einher, dass die neuartigen Antriebe zum Großteil oder ganz elektrisiert werden. Nördlich des Zentralcampus sollen dafür neue Gebäude errichtet werden, als Kooperationspartner soll das Fachgebiet Flug-Triebwerksdesign der BTU Cottbus-Senftenberg zur Seite stehen.

Fraunhofer IEG: für eine effizientere Energieversorgung
Mit der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) hat Anfang 2020 ein weiterer außeruniversitärer Forschungs-standort mit dem Aufbau begonnen. Die Fraunhofer IEG widmet sich der Kopplung der Energiesektoren Strom, Wärme und Verkehr. Dabei ist die bereits vorhandene regionale Expertise in Kraftwerkstechnologien von großem Nutzen. Zu den Forschungsvorhaben zählen in Cottbus die Fragen, wie Wärme- und Gasnetze, thermodynamische Wandler und Ausgleichskraftwerke effizienter gestaltet werden können. Auch die Oberlausitzer Stadt Zittau erhielt einen solchen Fraunhofer-Institutsteil.

Alle Forschungsansiedlungen im Überblick