Im Interview: Viktoria Witte

Verantwortung für die Zukunft – wie grün ist die BTU?

Als die BTU 1991 eine umweltwissenschaftliche Fakultät aufbaute, war das bundesweit Neuland. Damals spielte das Thema Umwelt- und Ressourcenschonung in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht die heutige Rolle. Dennoch machte sich die BTU auf den Weg in Richtung grüner Universität, führte Umweltleitlinien ein, brachte die „AG Umwelt und nachhaltige Entwicklung“ an den Start und verfolgt seit 2010 ein EMAS-zertifiziertes Umweltmanagementsystem. Für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsprinzipien ist heute die BTU-Umweltkoordinatorin Viktoria Witte zuständig. Mit der Relevanz der Umweltthematik wächst auch ihre Verantwortung. Sie hat alle Fachbereiche und ihre Einsparpotenziale im Blick, erstellt mit ihren Kollegen die jährliche Umwelterklärung und startet Nachhaltigkeitskampagnen. Was aus ihrer Sicht zu einer nachhaltigen Universität dazugehört und wo die BTU noch Potenzial hat, erzählte sie uns im Interview.

Wie ist Ihre Idealvorstellung einer „grünen“ BTU?
Zu einer komplett nachhaltigen BTU gehört für mich, dass alle Studenten und Mitarbeiter Hand in Hand das Ziel der Nachhaltigkeit verfolgen und verwirklichen wollen. Angefangen bei den „hard facts“ wie der Nutzung von erneuerbaren Energien, der Abfallvermeidung und korrekten -trennung, dem nachhaltigen Bauen und der Förderung von biologischer Vielfalt auf unseren Flächen.

Für mich gehört dazu aber genauso, dass wir als Ausbildungsstätte für zukünftige EntscheidungsträgerInnen der Gesellschaft unserer zentralen Verantwortung gegenüber heutigen und zukünftigen Generationen nachkommen: Der Aufbau von Wissen und Kompetenzen im Umweltbereich ist für mich wesentlich für die Entwicklung nachhaltiger Lebensstile und Wertesysteme.

Wie weit sehen Sie die BTU auf diesem Weg?
Wir beziehen an allen Standorten Strom aus erneuerbaren Energien und erzeugen sie teilweise auch selbst mit unseren Photovoltaikanlagen. Die Abfalltrennung ist in allen Gebäuden durch Trennsysteme gut möglich und an der Abfallvermeidung arbeiten wir u.a. gemeinsam mit dem Studentenwerk Frankfurt (Oder). Es gibt nachhaltige Studiengänge wie Umwelt- und Ressourcenmanagement, Vorträge mit Nachhaltigkeitsbezug in der Kinderuni und der Seniorenakademie und viele Forschungsprojekte in diese Richtung. Das sind schon viele tolle Punkte!
Was noch fehlt, ist eine gebündelte Sichtbarmachung all dieser Aktivitäten und natürlich ist bei vielen Aspekten noch deutlich mehr möglich. Das geht aber nur, wenn sich die BTU und ihre Leitung für eine nachhaltige BTU aussprechen und wir das nötige Commitment und entsprechende Ressourcen bekommen. Und: Wenn sich unsere Studenten mehr einbringen und ihre nachhaltigen Ideen – immer gern mit unserer Unterstützung – vorantreiben. Nur gemeinsam kann die BTU nachhaltig werden.

Welche weiteren Maßnahmen planen Sie für die Zukunft?
Die angesprochene Bündelung und Sichtbarmachung der Nachhaltigkeitsinitiativen an der BTU ist bereits in Arbeit. So gibt es bald einen neuen Webauftritt unter dem Titel „Nachhaltigkeit“. Gleichzeitig streben wir an, unsere Aktivitäten noch auszuweiten, insbesondere die Nachhaltigkeit bei Forschungstätigkeiten noch mehr in den Fokus zu rücken und auch umfassendere Lehrveranstaltungen mit Nachhaltigkeitsbezug anzubieten. Ein weiteres großes Thema ist die Umsetzung des von Prof. Schwarz am Fachgebiet Energieverteilung und Hochspannungstechnik entwickelten Smart Grid-Konzeptes, um die Voraussetzungen zur Integration erneuerbarer Energien durch digitale Vernetzung zu verbessern.

Umweltmanagement der BTU im Web

Per E-Auto zwischen den Standorten unterwegs zu sein, ist für BTU-Mitarbeiter Standard – so wie für Infrastruktur-Leiterin Fr. Noack, Energiecontroller Hr. Wießner und die ehem. amt. Präsidentin Christiane Hipp (Foto: BTU)

Fünf Nachhaltigkeitstipps für Studis

Umweltverträgliches Reiseverhalten: Nutze im Alltag möglichst dein Fahrrad, den ÖPNV oder gehe zu Fuß. Falls es auf längere Reisen geht, wähle Fernzüge und -busse anstelle des Flugzeugs und wenn doch mal das Auto genutzt werden muss, bilde Fahrgemeinschaften.

Energie sparen: Bei Elektrogeräten gilt: Ausschalten statt Standby-Modus. Sogar noch besser: das Gerät vom Stromnetz trennen. Auch das Licht sollte nur angeschaltet sein, sofern es benötigt wird und beim Verlassen des Raums (oder des Hörsaals) ausgeschaltet werden.

Regionale Lebensmittel kaufen: Kaufe Lebensmittel regional und saisonal – solche weisen die beste Ökobilanz auf. Auch Fleisch sollte möglichst aus der Umgebung und aus artgerechter Haltung stammen. Noch besser: vegetarische oder vegane Ernährung – mit ihr sparst du bis zu 50 % der Treibhausgasemissionen ein.

Vermeide Plastikmüll: Abfallvermeidung steht immer an erster Stelle vor Recycling! Verringere deinen Plastikmüll, indem du Mehrweg- statt Einwegartikel und Glas statt Plastik nutzt, den Kauf loser Waren bevorzugst und auf Plastiktüten verzichtest.

Konsum mit Bedacht: Bei Lebensmitteln gilt: bedarfsgerecht einkaufen, Reste verwerten und Produkte richtig lagern. Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten? Die meisten Lebensmittel sind weiterhin einwandfrei – teste das Produkt mit deinen Sinnen. Auch Mode, Technikgeräte und andere Konsumgüter sollten so lange genutzt werden, wie sie noch einwandfrei sind.

Weitere Nachhaltigkeitstipps findest du im monatlichen Eco-Tipp der BTU:

Eco-Tipps der BTU